03-03-2026, 13:25 - Wörter:
Im ersten Moment verführte es die Rothaarige dazu zu lachen, als er behauptete, dass er vielleicht sogar noch arroganter wäre, wenn er sehen könnte, doch es blieb ihr im Halse stecken. Der nächste Gedanke, der folgte, war auf sein Selbstbewusstsein gemünzt, welches sicherlich besser wäre, wenn er sehen könnte, doch ehrlicherweise musste sie sich eingestehen, dass sie das überhaupt nicht beurteilen konnte. Außerdem wirkte er in den letzten Minuten alles andere als unsicher. Die Selbstverständlichkeit, mit der er sich durch die Festung bewegte, beeindruckte die Prinzessin und ließ sie so manches Mal staunend seine Herangehensweisen beobachten. Es war faszinierend zu sehen, wie er sich seine Umwelt zurechtlegte. Wie er sah, während andere hinsahen. Wie er Details wahrnahm, die andere vielleicht übersahen. Und da musste sie feststellen, dass sie beides als sehr unwahrscheinlich empfand: sowohl, dass er arroganter wäre, als auch dass er selbstbewusster sein könnte, als er es ohnehin schon war. Es war keine Schwäche, sich in unbekannten Gebieten nicht gut zurecht zu finden. Jedenfalls empfand sie selbst es nicht so. Allerdings war das sicherlich vor einigen Tagen noch etwas anders gewesen. Als man ihr die Nachricht eröffnete, dass sie den Prinzen des Fürsten von Kenmara heiraten würde, den man erst vor wenigen Jahren aus seiner rechtmäßigen Thronfolge entfernt hatte, war sie zu Tode betrübt gewesen. Die Tatsache, dass er nicht nur sein Recht auf den Fürstentitel verloren hat, so hatte er kein Augenlicht, mit dem er ihre Schönheit wahrnehmen könnte - dabei war das doch die letzten Jahre ihr einziger Vorzug gewesen. Sie war weder besonders intelligent, noch die meiste Zeit besonders humorvoll. Sie hatte sich immer mehr oder weniger freiwillig darauf beschränkt, dass sie immerhin besonders gut aussah, wenn dafür schon die anderen Attribute nicht besonders hervorstechend waren. Und dass ausgerechnet das ihr nun keinen Vorteil bringen würde, weil er nichts davon wahrnehmen konnte, hatte sie beinahe zur Verzweiflung getrieben.
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Ich versuche nachzuvollziehen, wie das für Euch gewesen sein muss, aber ich glaube, dazu bin ich nicht in der Lage. Farben jedoch mit einfachen Worten zu erklären... Ich weiß nicht, ob ich das gekonnt hätte. Aber... Falls eure Schwestern auch nur ansatzweise Erfolg damit gehabt haben, kann ich Euch erzählen, dass ich rotes Haar habe. Das ist vermutlich das, was an meiner Erscheinung als erste auffällt
", erklärte sie und hoffte, dass er mit der Bezeichnung 'rot' etwas anfangen konnte. Sicher war sie sich nicht, aber ihr fiel auch nicht ein, wie man jemandem eine Farbe erklären sollte, der keine Referenz hatte. Das war schier unmöglich! Automatisch interessierte sie sich sehr dafür, ob der Versuch seiner Schwestern von Erfolg gekrönt gewesen war."
Ich könnte Euch bestimmt fünfzig Orte zeigen, an denen Ihr in meiner Heimat ungestört wärt
", gab sie lachend zu und erinnerte sich stumm daran, wie sie selbst diese Orte des Öfteren aufgesucht hatte. "Ich war quasi eine Meisterin, sie zu finden
", erklärte sie achselzuckend und lief neben dem jungen Mann her, während sie den Wind in ihrem Gesicht genoss. Er zerrte an ihren geflochtenen Zöpfen und an ihren Wimpern, sodass sie ständig das Gefühl hatte, sich mit ihrer anderen Hand zu schützen. "Das Wetter ist bei uns ähnlich unbeständig, wie es hier ist, glaube ich. Jedenfalls regnet es sehr viel. Aber dafür haben wir nicht so einen alles umfassenden Wind. Das hier ist wirklich speziell
", sagte sie grinsend und versuchte sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ihre Haare in Zukunft immer zerzaust aussehen werden. "Ihr könnt nicht schwimmen?
", fragte sie erstaunt. Aufgrund der Tatsache, dass die Burg der Familie Fraser direkt an den Klippen lag, war sie davon ausgegangen, dass hier jeder schwimmen konnte, allerdings waren die Felsen so spitz und hoch, dass es vermutlich kaum einen direkten Weg zum Wasser gab. Zumindest hatte sie bisher noch keinen gefunden. "Gibt es denn überhaupt einen Weg zum Meer hinunter?
", fragte sie neugierig und überlegte, ob man für die heißen Quellen in ihrer Heimat überhaupt schwimmen können musste. Die meisten Quellen waren glücklicherweise weder besonders groß, noch besonders tief, sodass das Ertrinken in ihnen eher unwahrscheinlich war.
![[Bild: thxYbZu.png]](https://i.imgur.com/thxYbZu.png)

